Wie man einen Imkereibetrieb von Grund auf aufbaut

Aktualisiert: 19. März


Wissen


Bienen sind wunderbare Geschöpfe der Natur deren Haltung nur funktioniert, wenn ein fundiertes Wissen über deren Bedürfnisse und Eigenheiten vorhanden ist. Wenn der interessierte Neuimker (ich gendere nicht und möchte mit meiner Schreibweise alle Menschen gleich ansprechen) keine Enttäuschungen erleben will, muss er sich zwingend ein fundiertes Basiswissen aneignen. Stellt sich nun die Frage nach dem wie und wo.

Anfangen soll man mit dem zweijährigen Grundkurs, der in der Regel vom lokalen Bienenzüchter Verein angeboten wird. Informationen findest Du hier https://www.bienen.ch/bildung-wissen/imkerkurse.html



Standort


Wer mit Bienen anfängt möchte meistens seinen Bienenstand direkt beim Haus haben. Beachte bitte, dass es in Deinem Quartier nicht nur Freude macht, wenn zigtausende Bienen umherfliegen. Insbesondere beim sogenannten Reinigungsflug in den ersten, warmen Tagen des Jahres. Da fliegen die Bienen aus und leeren ihre volle Kotblase im Flug. Entsprechend braun gesprenkelte Hausfronten, Autos und noch schlimmer, im freien aufgehängte Wäsche können die Dir und Deinen Bienen entgegengebrachte Sympathie schlagartig in den Keller abrutschen lassen.

Suche Dir einen Platz ausserhalb, der sonnig ist, windgeschützt und nicht in einem Kältesee liegt. Ein Kältesee ist zum Beispiel eine Geländemulde, aus der die kalte Luft nicht abfliessen kann. Suche den Grundeigentümer auf, schildere ihm Dein Anliegen und hole Dir sein Einverständnis zum Aufstellen Deiner Bienenvölker. Ohne das geht gar nichts.

Der nächste Schritt ist die Anmeldung des neuen Bienenstandortes beim Kanton. Von dort erhältst Du dann auch Deine Standnummer, die sichtbar beim Bienenstand angebracht werden muss.



Bienenbeute / - behausung


Bienen sind relativ anspruchslos, was die Form und die Grösse der Behausung angeht. Das wissen scheinbar viele Imker nicht. Deshalb gibt es unglaublich viele verschiedene Systeme mit noch mehr Abmessungen der Waben und jeder hat für sein verwendetes System tausend gute Argumente. Lustigerweise werden dabei für egal welches System dieselben Pro-Argumente verwendet.


Im Endeffekt gibt es für mich nur weniges, auf das ich schauen muss.

- Passt es für mich

- Ist es vom zeitlichen Aufwand her machbar

- Habe ich Lagerkapazität oder nicht

- Ist es rückenschonend oder -belastend

- eher hochpreisig oder günstig

- kann ich die Beuten auch selber herstellen


Dazu achte ich darauf, dass ich ein System habe bei dem alle Waben (Brut- und Honigwaben) dieselbe Grösse haben. Nur so ist die Gewährleistung gegeben für einen immer neuen oder neueren und somit hygienischen Wabenbestand. Was den Grossteil aller möglichen Bienen-Krankheiten ausschliesst. Die Länge der Waben sollte dabei 420mm nicht unterschreiten.

Der Standort sollte möglichst mit Auto und eventuell Anhänger direkt angefahren werden können. Der Rücken lässt danken.


in der Schweiz wird (wahrscheinlich) am häufigsten mit dem Hinterbehandlungskasten im CH-Format geimkert. in der Regel in einem Bienenhaus.



Vorteile:

  • Kein separates Lager notwendig. Alles Material kann im Bienenhaus aufbewahrt werden.

  • Bienen können mit etwas Rauch leicht nach vorne Richtung Flugloch getrieben werden, was das Arbeiten erleichtert, wenn der Imker von den Wächterbienen unbehelligt bleibt.

  • Auch bei Regen und Wind können dringende Arbeiten mal erledigt werden.

  • Dank dem, dass ein nicht unerheblicher Teil der Imker mit diesem System arbeitet, ist man weitherum kompatibel zum Beispiel bei der Anschaffung von Jungvölkern.

  • Ein grosszügig erbautes Bienenhaus bietet auch einen Arbeitsraum, der auch mal als gemütlicher Rückzugsort dienen kann. Wenn er geschickt angebaut ist, lässt sich gemütlich von drinnen durch die Glasscheibe der Bienenbetrieb auf den Flugbrettern beobachten.

Nachteile:

  • Kostenintensiv (Bienenhaus und Bienenbeuten)

  • Zwei Wabenformate

  • Zeitintensiv im Vergleich zur Arbeit mit Magazinbeuten, zum Beispiel Schwarmkontrolle: Hier muss im CH-Kasten jede Wabe gezogen, heraus genommen werden um allfällige Schwarmzellen (Königinnenzellen) zu finden. Bei einem Magazin mit durchgehend gleichem Wabenformat hebt man nur die Zarge an (was das ist erfahren wir noch) und schaut von unten an die Waben. Da die Schwarmzellen in der Regel am unteren Wabenrand angebracht sind, sieht man diese sofort.

  • Ortsgebunden


International wird bis auf wenige Ausnahmen praktisch nur mit Magazinbeuten gearbeitet, auch Oberbehandlungsbeuten genannt.

Die weltweit meistverwendeten Typen dieser Magazinbeuten sind Langstroth und Dadant. Beide kommen ursprünglich aus den USA. In Österreich die Breitwabe, in Deutschland DNM (Deutsch Normal Mass) und Zander, in Italien und Frankreich Dadant/Dadant-Blatt.

Bei Langstroth und Dadant sind die Waben in Brut- und Honigraum unterschiedlich gross. Beide verwenden Flachwaben im Honigraum. Die Flachwabe hat bei allen genannten Systemen eine Höhe von 159 mm. Auch bei diesen Systemen spürt man aber den stetigen Trend zu einem einheitlichen Mass im Brut- und Honigraum. So wird immer mehr auch im Brutraum die Flachwabe eingesetzt. Hervorstechende Vorteile sind das leichte Gewicht und die vereinfachte Wabenhygiene.

Auch ich habe mich vor drei Jahren für die Flachwabe im Zander Format entschieden und meinen Betrieb umgestellt. Da ich vorher Zander im Normalmass hatte, war die Umstellung ein Leichtes. Erweiterungen erfolgten mit Flachzargen. Im Spätherbst wurde dann die unterste Normalzarge bienenleer entfernt, im nächsten Frühling die Zweite und somit war die Umstellung abgeschlossen.

In der Schweiz ist der Wandel zur Imkerei mit Magazinbeuten in den letzten 10 Jahren verstärkt spür- und sichtbar. Regional ist es sehr unterschiedlich, welche Beutensysteme vorwiegend zum Einsatz kommen. Aber so individuell eingestellt der Schweizer Imker ist, so individuell sind die Entscheidungen für einen Typus Magazin.

Wie anfänglich erwähnt, ist es den Bienen völlig egal in welchem System sie wohnen. Die Hauptsache ist, die Umgebung stimmt und der Imker weiss was er wann zu tun hat.


Warum ist es für die Wabenhygiene wichtig, dass keine alten Brutwaben im Kasten sind? Jede schlüpfende Biene hinterlässt in der Wabenzelle die Haut von der Verpuppung inkl. Ausscheidungen. Klar putzen die Bienen anschliessend die Zelle. Die Haut kann aber nicht entfernt werden und in dieser Haut gibt es Keime und Sporen. Gefahr von Krankheiten. Dazu wird die Zelle mit jeder Haut die drinnen bleibt kleiner und entsprechend auch die nächstschlüpfenden Bienen. Ganz Simpel: Je kleiner die Biene, desto kleiner der Honigmagen. Die Menge Nektar die pro Flug eingeflogen werden kann ist entsprechend kleiner. Beim rotierenden System (darüber später) fliegen meine Waben spätestens nach zwei Jahren raus und werden eingeschmolzen.


Ein kostengünstiges und bewährtes System ist die Magazinbeute nach Dr. Liebig im Zanderformat. Hier mit Ganzzargen.


Wer handwerkliches Geschick hat, kann diese Magazinbeute auch selber herstellen. Preislich macht es keinen schwer ins Gewicht fallenden Unterschied. Die Freude daran ist aber unbezahlbar.


Vorteile Magazin:

  • Benötigt kein Bienenhaus

  • Mobil (einfaches Wandern)

  • Weniger arbeitsintensiv als der CH-Kasten

  • Mit Flachzargen rückenschonend

  • Einfacheres imkern, siehe auch https://www.immelieb.de/

  • Preiswerte Beuten


Nachteile Magazin:

  • Benötigt Lagerraum

  • Mehr Material

  • Wetterabhängiges imkern



Wie komme ich zu meinen ersten Bienen?


Ideal ist es, wenn Du mit einem Ableger, Schwarm oder einem Kunstschwarm anfängst. Nicht nur mit einem, besser sind ca. drei davon. Im Winter kann es immer mal zu einem Ausfall kommen. Ein Volk, welches den Winter aus verschiedenen Gründen nicht überlebt. Hast Du nur ein Volk und das überlebt nicht, wäre das ein trauriger Start in Dein zweites Bienenjahr.

Warum nicht gleich mit einem Wirtschaftsvolk anfangen? Oft werden diese Völker nur zusammen mit einer Beute verkauft. Meist eine Beute, die der Verkäufer loswerden will. Dann hast Du altes Material und eventuell dann gleich auch noch ein System, das Du gar nicht wolltest. Kauf am besten einen Schwarm von einem anerkannten Züchter, auch wenn das ein paar Franken mehr kostet. Es lohnt sich. Du hast so die grösste Garantie, dass Dein Schwarm gesund ist und sich noch im gleichen Jahr zu einem prächtigen Volk entwickelt. Eine Nachfrage im lokalen Imkerverein wird Dir da weiterhelfen.

Ein weiterer Vorteil:

Einen Schwarm kannst Du gleich in Deiner neuen Beute einlogieren. Mit dem dann neuen Wabenbau wird er ebenso gesund in den nächsten Winter gehen.


Nun wünsche ich Dir viel Spass und Erfolg mit Deinem neuen Hobby, das Dich Dein Leben lang nicht mehr wirklich loslassen und Dir unzählig viele, wunderschöne Stunden schenken wird.



Eine erfolgreiche Jungimkerin am Werk, mit Flachzargen im Zanderformat.



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